Kriegsstrategien
Autor: Georg Ohrweh.
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Störe nie einen Feind, wenn er dabei ist, sich selbst zu zerstören
Jüngst gab es ein beeindruckendes Interview mit Jaques Baud. Das ist der Schweizer Eidgenossenschaftler, der veranschaulicht, dass die Schweiz auch nicht mehr ganz souverän ist, sonst wäre eine von Brüssel verhängte Sanktion nicht in der Lage, zu bewirken, dass er als Schweizer von seinem Recht Gebrauch machen könnte, von der Heimatgemeinde aufgenommen zu werden – gleich von wo in der Welt man kommt, wenn man in Not ist. Die Schweiz ist nicht in der Lage, ihn aus dem Gebiet der Europäischen Union herauszuschaffen, wenn er es wollte.
Baud hat die westliche, vor allem die US-amerikanische Kriegsstrategie und die Strategie des Irans gegenübergestellt.
Der Westen macht vor allem Diplomatie durch Druck. Trump blufft eher, als dass er etwas Handfestes vorzuweisen hätte. Das könnte man möglicherweise daran erkennen, dass er gerne in Superlativen spricht. “Die beste, die größte, die reichste, die schlagkräftigste… aller Zeiten.”
So schreibt man das Drehbuch für einen Action-Film à la Hollywood, aber selbst da achtet man auf Glaubwürdigkeit, weil sonst der Film einfach nur schlecht werden kann.
Baud beschreibt Trump als einen emotional handelnden, impulsiven Taktiker, was er in diesem Bezug als das „Weibliche“ der linken Gehirnhälfte zuordnet, die die Oberhand hat.
Der Iran setzt auf Diplomatie durch Gespräche. Bislang hat der Iran gehalten, was er sagt. Der Iran geht intelligent, rational, logisch, vorausschauend und planmäßig vor.
Baud ordnet diese Strategie als das „Männliche“ der rechten Gehirnhälfte ein, die hier die Oberhand hat.
Trump sagte vor einiger Zeit, dass er nicht wüsste, mit wem er im Iran reden soll. Wie denn, wenn er selbst mit der Vernichtung der iranischen Führer dafür gesorgt hat. Nach allem, was man weiß, galten diese als gemäßigt und aus religiösen Gründen nicht für den Bau einer Atombombe. Israel hat da aus religiösen Gründen eher weniger Skrupel, genauso, wie die USA.
Was jedoch Trump wie ein Stachel im Fleisch sitzt, ist seine gekränkte Eitelkeit. Trump ist das Siegen gewohnt und mit dem Iran hat er einen Meister gefunden, der ihm aufzeigt, dass das nicht immer so sein muss. Der Iran wirft nicht mit Superlativen herum, bleibt nüchtern und cool, macht sich mit seinen Lego-Videos sogar über die USA lustig, versucht die US-Amerikaner, von denen sehr viele auch nicht von diesem Deppenstück begeistert sind, intelligent auf seine Seite zu ziehen, in dem er in einem der Videos vermittelt, dass die Iraner nichts gegen die amerikanischen Bürger haben. Es sekkiert Trump, dass er und seine Militärstrategen dem Intellekt der sehr gut ausgebildeten Iraner weit unterlegen ist.
Bevor Trump – natürlich nicht er allein, sondern mit seinen Berater, die ihm nach dem Mund reden, nicht die, die warnen – auf die glorreiche Idee kamen, nach venezolanischem Vorbild mal eben den Iran zu besuchen und ein paar Menschen zu killen, war die Straße von Hormus für alle, in jede Richtung, rein und raus offen, wie ein Scheunentor.
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Nach dieser grandiosen Taktik hat sich die geographische Lage des Persischen Golfs bislang leider noch nicht den Trumpschen Wünschen angepasst, so dass er, der Persische Golf und sogar die Straße von Hormus sich immer noch weigern, nicht mehr vor der iranischen Küste sein zu wollen. Ganz praktisch bedeutet das für die USA ein Herankarren von Material über tausende von Seemeilen, während der Iran einen Heimvorteil hat. Man kann nachts sozusagen im eigenen Bettchen schlafen.
Das gegenseitige „Du komms hier nisch rrein, Du komms hier nisch rraus!“ erinnert an die Probe, wer dem Blick des anderen länger standhalten kann. Nach der Gegenüberstellung von Taktik und Strategie hat der Iran durchaus reelle Chancen, zu gewinnen.
So wie es aussieht, rückt der Iran keinen Millimeter von seinen Vorstellungen einer Friedenslösung in seinem 14-Punkte-Vorschlag ab. Mit der Forderung, dass auch der Libanon in die Bedingungen einbezogen wird, macht er Israel deutlich, dass die Bibel kein Grundbuch ist.
Das bringt Trump zur Raserei, weil es ihm nicht gelingt, seinen Willen durchzusetzen, was der charakterlichen Entwicklung eines Spätpubertierenden gleichkommt. Das passt zu seiner Aussage, der Vorschlag sei Müll. Gleichzeitig sagt er, der Iran habe den Krieg verloren. Wenn dem so wäre, dann gäbe es aber einen Sieger, das müssten dann ja die USA sein. So wie es derzeit aussieht, gibt es den aber noch nicht. Gleichzeitig behauptet der Iran, die USA hätten den Krieg verloren, doch als eindeutiger Sieger ist auch er noch nicht hervorgegangen.
So stehen sich derzeit der wollende Sieger auf der einen Seite, die USA, und ein beim Armdrücken immer noch nicht schwächelnde Iran, auf der anderen Seite, in der Belagerung der Straße von Hormus gegenüber.
Bei der Bewertung dessen, was sich derzeit in der Straße von Hormus abspielt, sollte die Chronologie nicht vergessen werden, und die Frage: Wer hat angefangen und wer hat reagiert? Außer Zweifel bleibt wohl, dass Trump mit seinem Husarenstück eine weltweite Verteuerung von Öl und Gas, eine Verknappung und Verteuerung von Düngemitteln und anderen Rohstoffen ausgelöst hat. Welchem US-Departement, bitteschön, darf man hierfür seine Rechnung mit Dankesschreiben für künstlich in die Höhe getriebene Energiekosten schicken? Nicht nur Staaten haben Interessen, sondern die Menschen auch, nämlich Preise, die nicht von Irren in die Höhe getrieben werden können.
(Bild von pixabay)
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